So klappt die Umstellung

März 23, 2020
März 23, 2020 auhl

Ausmisten. Aufräumen. Umstellen.

So klappt die Lagerumstellung im Schmuckatelier von konventionellen zu nachhaltigen Materialien.

Die gute Nachricht vorweg: Du musst nichts wegschmeißen. Damit wäre niemandem geholfen. Wenn du allerdings schon länger den Wunsch hast von konventionellen Schmuckmaterialien zu nachhaltigen umzustellen, dann können dir die folgenden Tipps helfen.

Was ist mit konventionellen Materialien gemeint? Betrachten wir zunächst die Edelmetalle: Üblicherweise werden Silber und Gold mit Hilfe von extrem giftigen Chemikalien (Zyanid und Quecksilber) und von großen zerstörerischen Maschinen abgebaut. Horrorbilder von verunreinigten Flüssen und Landstrichen, auf denen weder Tier noch Mensch weiter leben können, kennst du bestimmt aus zahlreichen Reportagen. Doch nicht nur die Umwelt, sondern auch die Menschen, die dort arbeiten leiden unter den vorherrschenden Bedingungen. Gleiches gilt für den kommerziellen Abbau von Edelsteinen in Gebieten, wo oftmals ausländische Investoren Land pachten und es nach dem erfolgreichen Abbau in einem desaströsen Zustand zurück lassen. Die großen Industrienationen bestimmen im Anschluss die Preise der Waren – und nicht die Erzeuger selbst. Die größten Margen werden erst außerhalb des Erzeugerlandes aufgeschlagen, so dass der Ertrag für die einheimische Bevölkerung marginal ist. Außerdem findet die Arbeit in großen industriellen Bergbaugruben unter oftmals katastrophalen sozialen und ökologischen Bedingungen statt, die die Minenarbeiter in eine finanzielle Abhängigkeit treiben, ohne dass aber der Lohn schlussendlich ausreicht, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten oder gar die eigene Familie ausreichend ernähren zu können.

 

Jetzt umsteigen

Doch zum Glück gibt es immer mehr kleine Unternehmen, die Projekte für nachhaltigen Abbau betreiben. Bei der Auswahl eines neuen Händlers solltest du auf bestimmte Kriterien achten, um nicht in die Falle des „Greenwashings“ zu tappen.

  • fair – erkundige dich, ob den Arbeitern vor Ort Preise gezahlt werden, die über den Weltmarktpreisen liegen. Nur so kannst du sicher sein, dass sie ihren Lebensunterhalt von der Arbeit im Kleinbergbau meistern können.
  • ethisch korrekt – frage nach, ob die Arbeitsbedingungen sicher, gesund und menschenwürdig sind und ob keine Kinder im Bergbau beschäftigt werden.
  • ökologisch – informier dich, inwieweit die Umwelt weitestgehend geschont und die Gebiete im besten Fall aufgeforstet werden.
  • lokal – achte darauf, dass die Minen lokal verwaltet werden und den Arbeitern kein westliches System aufgezwungen wird. Frage auch nach, wo z. B. die Edelsteine geschliffen werden. (Oftmals wollen Unternehmen hier sparen und lassen in anderen als den Erzeugerländern schleifen. Dies führt allerdings dazu, dass ein Großteil der Wertschöpfungskette außerhalb des Landes generiert wird, was bedeutet, dass eine geringere Marge im Land verbleibt.)
  • nachhaltig – im besten Fall besteht das Projekt schon seit ein paar Jahren und hat auch für die Zukunft das Ziel stets nach mehr Gerechtigkeit und Fairness zu streben.

Übrigens: Im Falle von Gold gibt es bereits das anerkannte „Fairtrade“-Zertifikat und auch offizielles „fairmined“ Gold. Achte auf diese Labels, um noch einfacher zu erkennen, welchen Händlern du vertrauen kannst. Im Bereich von Farbedelsteinen gibt es noch kein anerkanntes Zertifikat. Nimm dir daher die oben genannte Liste zur Hand und frag persönlich nach den Kriterien. Seriöse Händler stellen dir dann ein eigenes Zertifikat aus, mit dem sie für die Einhaltung der Kriterien einstehen. Offizielle Initiativen für Audits sind in der Arbeit, sind bislang aber nicht flächendeckend möglich, da sie sich sehr schwer auf die verschiedenen Bedingungen im Kleinbergbau übertragen lassen.

 

So klappt die Wende

Wenn du nun also den Entschluss gefasst hast, dich von konventionellen Materialien zu trennen und mehr und mehr nachhaltige Materialien in dein Lager aufzunehmen, dann kannst du wie folgt vorgehen:

  1. Du musst nichts wegschmeißen – das wäre alles andere als nachhaltig. Verarbeite Edelmetalle und Edelsteine, die du noch auf Lager hast zu Schmuck, gib sie Kolleg*innen oder tauscht sie untereinander. Nichts muss verkommen!
  2. Such dir vertrauenswürdige Händler, die nachhaltig und fair arbeiten und am besten alle oben genannten Kriterien erfüllen.
  3. Frag Kolleg*innen, woher sie ihre fairen Schmuckmaterialien beziehen und tausch dich mit ihnen aus. Informier dich zu ihren bereits gemachten positiven Erfahrungen.
  4. Überleg selbst: Wo ist das natürliche Vorkommen der Edelsteine, die ich kaufen möchte? So findest du am besten lokale Projekte in den Erzeugerländern, die ohne Zwischenhändler arbeiten.
  5. Benutz bei Instagram die Hashtag-Suche. Viele nachhaltige Unternehmen benutzen die Hashtags #faireedelsteine oder #fairgems, um ihre Produkte zu markieren.
  6. Halt nach Messen Ausschau, die gesonderte „sustainability“ Bereiche haben oder speziell auf nachhaltige Produkte ausgerichtet sind. Die INHORGENTA München hat beispielsweise im Februar 2019 erstmals einen extra Bereich für nachhaltig arbeitende Händler ins Leben gerufen.
  7. Zu guter Letzt kannst du besonders was Gold anbelangt auch auf recyceltes Gold zurückgreifen. Achte dabei auf mindestens 99,9% Recycling-Anteil. Dies ist eine gute Alternative, deckt allerdings aktuell nur 30% des weltweiten Bedarfs.

 

Unsere Empfehlungen für dich:

(Dies ist unbezahlte Werbung. Wir möchten die Branche der nachhaltigen Schmuckproduktion ganz einfach unterstützen und sehen hierbei keine Konkurrenz in den empfohlenen Kolleg*innen/Händler*innen.)

  • fairmined.org
  • fairever.gold
  • Aurhen mit brazilgems.de
  • Nineteen48 – gemstones
  • East Africa Gem (Kenya)
  • Anza gems
  • Moyo Gems (Tansania)
  • mercuryfreemining.org
  • Merkle – Ringrohlinge aus fairem und recyceltem Gold
  • Oeko Andina e. V.
  • MIADANA – faire Edelsteine aus Madagaskar !
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Comments (2)

  1. Jinni

    Vielen Dank, für mich als Fachfremden interessant zu lesen was es an Möglichkeiten gibt auch im Schmuckhandel fairtrade und Nachhaltigkeit umzusetzen. Vielen Dank für die Infos.

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